Koffer sind auch nur Menschen

Posted on März 21, 2013

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Meine Facebook-Follower seien an dieser Stelle gewarnt: den Artikel kennt ihr schon – ich greife mal wieder in die Konserve, um die Zeit bis zu meiner nächsten Bahnreise und den nächsten lustigen Erlebnissen zu überbrücken. Aber freut euch: morgen ist es dann wieder so weit! Berlin, Berlin, ich fahre nach Frankfurt! Und dann schon mal die Ankündigung für nächste Woche: trotz Karwoche ist mein Terminkalender voll mit Reisen, teilweise an Orte, an denen ich lange nicht war – gute Chancen, in Bielefeld oder Dresden ganz neue Erfahrungen beim Reisen, Warten oder ähnlichen Aktivitäten zu machen. Freut euch – ich tue es auch!

Jetzt aber zur Mensch-Koffer-Beziehung. und wie gesagt: wer’s schon kennt, hört bitte hier auf zu lesen. Da kommt nichts Neues mehr. Echt.

Die Mensch-Koffer-Bindung ist doch ein rührendes Beispiel für unsere soziale Kompetenz. Mehr noch als einen Hund oder eine Katze lieben wir unseren Koffer und möchten uns auf keinen Fall weiter als irgend nötig von ihm entfernen. Mehr als 1,5 Meter sind indiskutabel. Das ist jedenfalls die einzige Erklärung dafür, dass der neu eingestiegene Passagier versucht, seinen Koffer in die erkennbar zu enge Lücke neben meinem Koffer im Gepäckfach über dem Sitz zu trümmern, statt das freie Fach zwei Sitze weiter zu nehmen.

Besonders überzeugend ist seine Beharrlichkeit. Schieb, stoß, quetsch, rüttel und nochmal schieb: er überwindet mit großer Mühe die Restriktionen des uns bekannten Koordinatensystems und biegt seinen (und nebenbei auch meinen) Koffer in die vierte oder fünfte Dimension, um ihn endlich doch in die Lücke zu zwängen. Schwer atmend und schwitzend, aber unübersehbar glücklich lässt er sich in den Sitz neben mir fallen.

Ich bin ein bisschen verlegen – letztens hatte ich mein eigenes Gepäckstück im Kofferfach am anderen Ende des Waggons einsam einer schweren Identitätskrise ausgesetzt – ich bin ziemlich sicher, dass ich jetzt (zu Recht) im unbarmherzigen Visier des Kofferschutzbundes stehe. Meine Herren, ich bin bereit. Bitte führen Sie mich ab und bringen meinen Koffer in einer warmherzigen und verantwortungsbewussten Pflegefamilie unter!

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Posted in: Bahnfahren