Oops, I did it again…

Posted on März 22, 2013

0


Und wieder mal habe ich alle Bedenken in den Wind geschlagen und mich über eherne Gesetze hinweggesetzt. Diesmal zwar nicht über die Gesetzestafel der Bloggerei (vergleichbar den 10 Geboten, die Moses am Berg Sinai vom HERRN höchstselbst in die Hand gedrückt bekam), dafür aber über die noch viel gültigeren Gesetze des Bahnfahrens. Hier hilft nur noch, Wilhelm Busch zu zitieren: ‚Aber wehe, wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe!‘ Und es ist sicher ratsam, auf den Altmeister der zitierbaren Reime zu hören, auch wenn sein Einwurf zugegebener Maßen einen ganz anderen Kontext berührt.

Wilhelm Busch ist, wie ich finde, ein Phänomen. Auch heute noch – 105 Jahre nach seinem Tod (für die ganz Neugierigen: er lebte vom 15. April 1832 bis zum 9. Januar 1908) – sind nicht nur seine Geschichten spritzig und aktuell, vielmehr sind Generationen von Menschen mit seinen Knittelversen aufgewachsen und wissen oft gar nicht, wen Sie zitieren, wenn Sie beispielsweise sagen: ‚Musik wird oft nicht schön gefunden, Weil sie stets mit Geräusch verbunden‘. Und welcher Spruch eignet sich besser als dieser, um ihn morgens in der S-Bahn dem Mitreisenden mit den plärrenden Mickymaus-Kopfhörern auf den Ohren entgegenzuschleudern?! Busch ist einfach in unser Genom hineingewachsen und hilft uns, Alltagssituationen souverän zu meistern. Aber ich schweife mal wieder ab.

Die zwei gebrochenen Gesetze – ihr erinnert euch. Nummer eins: ich bin Freitag Mittag in Berlin in einen ICE gestiegen, ohne Eine Reservierung zu haben. Ein Rat an alle Unbedarften: NEVER DO THAT! Ungefähr 1.000 Menschen haben die gleiche Idee. Wobei 500 von ihnen so schlau waren, einen der 502 verfügbaren Plätze zu reservieren. Die anderen 500 spielen eine heitere Reise nach Jerusalem. Eine Chance hat nur, wer beim Halt des Zuges unmittelbar vor der Tür steht. Eine Chance hat nur, wer sich nach dem Einsteigen SOFORT auf einen nicht unmittelbar als reserviert oder besetzt markierten Sitz wirft, auch wenn der Sitznachbar 200 kg wiegt, nach Knoblauch riecht oder plärrende Mickymaus-Kopfhörer aufhat.

Beides gelingt mir natürlich nicht. Ich greife also zur Strategie der Verzweifelten und setze mich auf einen reservierten Sitz in der Hoffnung, dass der Reservierer es sich mittlerweile anders überlegt hat, den Zug verpasst oder mittlerweile verstorben ist. Für Pietät ist hier kein Platz.

In Berlin hat diese Hoffnung eine gewisse Tücke, weil wir zunächst nochmal in Spandau halten und alle Reservierungen ab dort ebenfalls auf ‚Berlin‘ lauten. Diese 20 Minuten Ungewissheit bis Spandau und bis zu dem Zeitpunkt, wo alle Zugestiegenen endlich ein Plätzchen gefunden haben, bringen mich einfach um. Und wenn nicht die, dann das Sitzen im Mantel in einem völlig überheizten Waggon – den lasse ich aus guter Erfahrung natürlich an, weil ich davon ausgehen muss, ohnehin gleich wiedr aufstehen und woanders hingehen zu müssen. Aber ich habe Glück, auch in Spandau reklamiert niemand meinen Sitz und ich kann tatsächlich meinen Mantel ausziehen und sitzen bleiben.

Aber das ist kein Grund zur Freude. Ich habe ja immerhin noch das Gesetz Nummer zwei gebrochen. Ich bin nämlich in einen Zug gestiegen, aus dem ich in Hannover UMSTEIGEN muss. Umsteigezeit 15 Minuten – das ist völlig lächerlich, immerhin haben wir Spandau bereits mit 8 Minuten Verspätung verlassen. Es ist ein Leichtes, diese Verspätung bis H zu verdoppeln. Und es gelingt dem Zugführer selbstverständlich ohne Probleme.

Immerhin habe ich jetz noch die Chance, meinen ursprünglich reservierten ICE zu bekommen, der – wenn alles gut geht – eine Stunde später in H ankommt. Natürlich ist meine Reservierung mittlerweile verfallen und ich darf sicherlich auf meinem Koffer im Gang Platz nehmen, weil DIESE Reise nach Jerusalem längst abgeschlossen ist.

Aber hey – die Bahn hat mich ja doch lieb. Wir kommen mit 15 Minuten Verspätung in H an. Der Anschlusszug aus Hamburg hat 20 Minuten Verspätung. Ich erreiche ihn leicht. Alles ist gut.

Advertisements
Posted in: Bahnfahren