Wo ist der zweite Zugteil oder: Ja, ist denn schon Ostern?

Posted on März 25, 2013

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„Meine Damen und Herren, ich bitte einen Moment um Ihre Aufmerksamkeit…“ Als fleißige Leser meiner Kolumne wisst ihr natürlich, was das bedeutet, nämlich nichts Gutes. Wir erreichen also als nächsten Haltbahnhof Hamm in Westfalen, wo unser Zug mit einem anderen ICE zusammeengekoppelt werden soll, um dann gemeinsam und einträchtig nach Berlin weiterzufahren. Dass das nicht ganz unproblematisch sein kann, habe ich ja schon das eine oder andere Mal erlebt und berichtet, insofern ist eine leicht nervöse Spannung sicher erlaubt, wenn nicht angebracht.  Unsere Zugbegleiterin informiert uns, dass der andere Zugteil aus Düsseldorf aber leider nicht da ist. Und auch erst mal nicht kommen wird. Grund ist eine Fliegerbombe (das ist mal was Anderes) irgendwo auf der Strecke.

Und so sitzen wir da wie Bruno Morawetz 1980 in Lake Placid und fragen uns nicht „Wo ist Behle?“, sondern: „Wo ist der ICE aus Düsseldorf?“ Keine Frage, dass unser Zugteil natürlich NICHT alleine weitwrfahren kann, weil das ja möglicher Weise zu einer ‚Zugfolge im Gleis‘ oder ‚erhöhtem Verkehrsaufkommen‘ führen würde und das gilt es natürlich unbedingt zu vermeiden – schließlich wäre es ein Novum in der nahezu 180-jährigen Geschichte der Eisenbahn in Deutschland.

Leider ist Hamm auch nicht gerade der Nabel der Welt (sorry, liebe Hammer, das geht gar nicht gegen euch, sondern beschreibt lediglich das aktuelle Delta zwischen meinen Erwartungen an meinen Aufenthaltsort (der um diese zeit eigentlich Bielefeld sein sollte) und den Angeboten des Bahnsteigs in Hamm), so dass die Zeit nur zögerlich, um nicht zu sagen widerwillig verstreicht.

Da begrüßt man es schon fast euphorisch, dass der Koppelvorgang schlicßlich zwar eine halbe Stunde zu spät, aber dann ohne Probleme erfolgt und der gekoppelte Zug seine reise fortsetzt. So gesehen ist das alles nur eine Frage des Erwartungsmanagements…

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Posted in: Bahnfahren, Warten