Worüber lachen die Teenies?

Posted on März 25, 2013

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Ich bin ja der Meinung, dass die Erziehung ihrer Kinder zur Selbständigkeit eine der wichtigsten Aufgaben von Eltern ist. Deshalb ist es selbstverständlich auch zu begrüßen, wenn diese Kinder oder Heranwachsende mit ca. 14 Jahren paarweise oder in Gruppen ganz selbstverständlich Fernzüge ohne Begleitung ihrer Erziehungsberechtigten benutzen. Vergleiche mit Jugendlichen in Begleitung ihrer Eltern zeigen jedoch erhebliche Unterschiede im Verhalten der jungen Menschen. Wirken jene oft mürrisch oder in sich gekehrt, versenken sich in die Beschäftigung mit elektronischen Gerätschaften (IPhone, Spielkonsole, Laptop) und enthalten sich jeder Art der verbalen Kommunikation und damit auch weigehend jeder Form der Geräuschemission, sind diese deutlich extrovertierter, lebhaft und erstaunen durch ihre Fähigkeit, pausenlos Geräusche zu entwickeln (der Begriff „sprechen“ wäre hier ein unpassender Euphemismus), ohne erkennbar durch die mir bekannten Atemöffnungen Luft zu holen. Insbesondere, wenn sie weiblichen Geschlechts sind.
Nicht dass mich das stört, schließlich verfüge ich über ein Paar recht gut abdichtende Ohrstöpsel und jede Menge Musik oder wahlweise Hörbücher auf meinem eigenen Device, aber ich finde es bemerkenswert. Insbesondere, dass die Gespräche geprägt sind von einem fortwährenden Gelächter (weniger wohlmeindende Menschen würden das eventuell als hysterisches Gekicher bezeichnen), das offenbar kompliziert codierte Botschaften vermittelt, da es nicht von Lauten einer Kultursprache begleitet wird, die ich als Konversation bezeichnen würde, aber dennoch scheint zwischen den beiden Damen am Nebentisch ein Einvernehmen über Sinn, Inhalt und Ziel des Gesprächs hzu bestehen.
Ich versuche, den Grund der Erheiterung auszumachen. Wurden ursprünlich offenbar Bilder o.ä. auf einem Smartphone betrachtet, ist jetzt das Faltblatt „Ihr Reiseplan“ Gegenstand der heiteren Analyse. Wohlgemerkt, der Zug berührt keine Reiseziele wie „Darmstadt“ oder „Wixhausen“, über die wir damals als Jugendliche sicher unsere pubertären Späße gemacht hätten, sondern Ort wie „Köln, später „Utrecht“ oder „Amsterdam Central“. Das kann es also nicht sein.
Auch die werblichen Botschaften, mit denen das Blatt ergänzt ist, haben keinen humoristischen Inhalt. Was ist es also, das die Damen jetzt bereits seit mehreren Minuten nahezu euphorisch belustigt?
Dann wird es mir klar. Neben „Köln Hauptbahnhof“ steht als Ankunftszeit 10:32. Das ist wirklich sehr lustig. Es ist gerade 10:15. Wir sind noch nicht mal an Montabaur vorbei. Ich lache herzlich mit.

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Posted in: Bahnfahren