Ich brauche eine neue Kategorie: Fliegen

Posted on März 29, 2013

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Es gibt gute Gründe, das Bahnfahren dem Fliegen vorzuziehen: neben den Kosten sind es natürlich in erster Linie ökologische Argumente, die für eine Reise mit der Bahn sprechen. Es gibt allerdings auch gute Gründe für das gelegentliche Fliegen, insbesondere auf der Heimreise vor Feiertagen wie Ostern. Am Gründonnerstag nachmittags in einem überfüllten ICE mehr als 5 Stunden von Dresden nach Hause zu fahren ist keine besonders verlockende Vorstellung. Deshalb habe ich mich gestern dazu entschieden, zu fliegen.

Also habe ich mich gegen 15 Uhr in eine völlig überfüllte Boeing gequetscht und gleich mal gemerkt, dass Züge einem zwar manchmal subjektiv eng vorkommen, dass man im ICE einen kabinengepäcktauglichen Koffer ohne Weiteres eben auch mal in den Gang stellen kann, wenn die Gepäckfächer voll sind. Im Flieger ist das etwas kompliziert. Hey, die Stewardess erklärt frundlich über Funk, dass aufgrund der Auslastung des Fliegers die Gepäckfächer voll sind! Sapperlot, was würde ich ohne sie machen?

Immerhin ergänzt sie, man könne sein Gepäck problemlos unter den Vordersitz schieben. Mittlerweile hat sich hinter mir ein kleiner Stau aus mehr oder weniger gereizten Mitreisenden gebildet, die ganz offensichtlich darauf warten, dass ich dieser Empfehlung ganz unmittelbar Folge leiste. Würde ich auch gerne, aber leider – mein Koffer ist zu breit und passt nicht. Ich versichere nochmal, dass der Koffer die lufthansazugelassenen Ausmaße eines Kabinenkoffers maximal unbedeutend überschreitet. Immerhin habe ich ihn in die Kabine bekommen, also muss er auch verstaubar sein. Schließlich tausche ich mit der freundlichen Dame neben mir den Sitz (unter den Mittelsitz passt mein Koffer in der Breite problemlos. Zwar macht die Länge nach wie vor leichte Probleme, aber ich stelle meine Füße ohnehin gerne etwas erhöht auf. Mir bleibt jedenfalls keine Wahl, also entscheide ich mich dafür, diese Sitzposition als selbstverständlich bequem gegenüber meinen Sitznachbarn zu simulieren. Ich möchte ja nicht als kompletter Idiot gelten. Mich schauen ohnehin schon alle böse an).

Man könnte natürlich auf die Idee kommen, dass ich den Koffer besser aufgegeben hätte, aber ich möchte in Ffm SOFORT aus dem Flieger in die Wartehalle laufen, ohne noch eine Viertelstunde am Gepäckband zu verbringen, schließlich ist das Osterwochenende ohnehin kurz und soll nicht unnötig durch so profane Dinge wie das Warten auf eine Koffer verkürzt werden. Ich denke, ihr könnt das unmittelbar nachvollziehen.

Wir kommen dann schließlich fast ohne Verspätung von Dresden weg (was nicht wirklich eine Kunst ist auf einem Flughafen, von dem die Flieger im Stundentakt abheben) werden aber achon nach wenigen Minuten vom Piloten darauf hingeweisen, dass der Luftraum über Frankfurt voll ist und man ihn gebeten habe, seine Geschwindigkeit zu reduzieren, weil erst mal andere Flieger landen müssten. „ERHÖHTE ZUGFOLGE IM GLEIS!“ schießt es durch meinen Kopf – bin ich nicht auf den Flieger umgestiegen, um solchen Problemen zu entgehen?

Die 15 Minuten Verspätung, mit denen wir schließlich landen, wären bei einem ICE durchaus noch als fast pünktlich anzusehen, deshalb will ich darüber nicht meckern. Allerdings wird recht schnell klar, dass es erneut einen wesentlichen Unterschied zwischen Fahn und Flieger gibt: wenn die Bahn gelandent ist (um diesen hier natürlich unzutreffenden Begriff lediglich zur Verdeutlichung und aus Gründen der Vergleichbarkeit zu verwenden), steigt man aus und gut ist. Der Flieger hat lediglich den Boden berührt und gilt damit als gelandet – aussteigen kann man selbstverständlich nicht. Zunächst umrundet das Flugzeug fahrend mit ca. 50 km/h das gesamte Rollfeld, um dann weit entfernt vom Flughafengebäude auf einer sogenannten Außenposition zu parken, von der man dann mit Bussen abgeholt wird. Normalerweise.

Nach etwa 10 Minuten im abgestellten, aber weiterhin verschlossenen Flieger meldet sichs der Pilot über Funk: „Verehrte Flugreisende, wir bitte einen Moment um Ihre Aufmerksamkeit.“ DEJA VU! kann ich da nur sagen. Er erklärt, dass es leider aktuell einen kleinen Bus-Engpass gebe, es aber sicher nur noch wenige Minuten dauern könne, bis…

Etwa eine halbe Stunde nach der „Landung“ sitzen wir schließlich in einem Bus, der zunächst das gesamte Rollfeld mit ca. 35 km/h zurück umrundet, bevor er wie durch ein Labyrinth unter dem Flughafengebäude herum kurvt, bis er uns schließlich in dasselbe hinein entlässt. Etwa eine Stunde später als geplant. DAS wäre eine nennenswerte Verspätung auch für einen ICE. Müsste ich jetzt noch mit der S-Bahn nach Hause fahren, würde das natürlich deutlich länger dauern als vom Hauptbahnhof. Aber ich will nicht kleinlich sein – ich werde abgeholt.

Fazit: ich habe etwa 300 Euro investiert, um in einer deutlich engeren Blechbüchse als gewöhnlich mit den Füßen auf meinem Koffer stehend etwa eine Stunde früher zu Hause zu sein als mit dem Zug. Sagt selbst – hat sich das nicht gelohnt?!

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Posted in: Bahnfahren