Internet im ICE

Posted on April 8, 2013

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Auch ein sehr lustiges Thema: Internet im Zug. Es wäre ja klasse, wenn man die Zeit, die man im Zug verbringt, arbeitend hinter sich bringen könnte. Für viele Berufe wird das eher schwierig sein, etwa für Bäcker oder Chirurgen (wobei das eine interessante Vorstellung ist: der Chirurg setzt in seinem sterilen Operationsabteil eben das Messer an, um ein Schlupflid zu korrigieren oder einen entzündeten Blinddarm zu entfernen und in dem Moment macht der Zug aus 300 km/h eine Vollbremsung. Ihr erinnert euch sicher an die Geschichte mit dem bremsenden Zug und dem Kaffee. Hui, wie dann das Skalpell durch das Fleisch saust, während der Operateur gegen die nächste Abteilwand geschmettert wird. Aus einem Schlupflid wird dann schnell eine Hirnamputation, der Blinddarm nimmt dann eben noch Milz und die halbe Lunge mit… Aber lassen wir das).

Für mich ist das im Grunde genommen kein Problem. Meine Arbeit besteht im Wesentlichen aus dem Verfassen und beantworten von Emails. Man kann sich sicher darüber streiten, ob das wirklich ein Beruf ist, mit dem man Geld verdienen kann, aber das ist ein ganz anderes Thema – da sollen sich andere Blogger mit beschäftigen. Ich schreibe also Emails.

Das heißt natürlich, ich WÜRDE sehr gerne Emails schreiben, wenn ich denn eine Verbindung zu meinem Email-Server, also im weiteren Sinne zum Internet aufbauen könnte. Ich spreche hier gar nicht von einem lückenlosen und fortwährend verfügbaren Breitband-Zugang, sondern lediglich von der Möglichkeit, Datenpakete von etwa 50kB empfangen und versenden zu können. Haha, ich sehe, wie einige von euch mit den Augen rollen – das kennt ihr auch. Auf weiten Teilen der Strecke ist das schlicht unmöglich! Jeder kennt zwar jemanden, der schon mal von einem gehört hat, dessen Schwager mal auf einer Fahrt von A nach B eine Email MIT ANHANG versenden konnte, aber selbst selbst geschafft hat das noch keiner von uns. Stimmts?

Immerhin bietet die Bahn mittlerweile auf ausgewählten Strecken einen eigenen Internet-Zugang (Telekom_ICE) an, den man statt seiner schwächelnden Vodafone- oder O2- oder E-Plus-Sim-Karte nutzen kann. Kostet ein bisschen was, ist aber allemal sinnvoller, als sich stundenlang vor Ärger in den Allerwertesten zu beißen. Habe ich gedacht. Und eben versucht, ein solches Paket zu buchen. Muss ich weiter erzählen?

Ok, mach ich gerne:

Die Seite brauchte mehrere Anläufe, sich aufzubauen. Ich konnte dann aber immerhin ein Datenpaket (600 Minuten in 30 Tagen für 19,95€) auswählen und wurde dann gebeten, einen Account anzulegen und meine Bezahldaten einzugeben. Soweit alles schick, bis ich auf „bestätigen“ geklickt habe. Die Seite kann nicht angezeigt werden. Mehrmalige Versuche, die Seite zu aktualisieren, verbessern das Ergebnis nicht, bis schließlich ein letzter verzweifelter Klick mich wieder auf die Startseite zurückwirft. Und jetzt? Habe ich mich angemeldet? Ist meine Kreditkarte belastet? Keine Ahnung! Aber ich bin ein abenteuerlustiger Typ und habe heute die Spendierhosen an: ich versuche es ein zweites Mal. Und wenn die Telekom nachher 40 € für die 600 Minuten bekommt – im Hotel ist das Internet noch teurer, also was solls?!

Erneut gebe ich alle Daten ein, klicke auf „bestätigen“, die Seite hängt sich auf, ich versuche zu aktualisieren und erhalte schließlich die folgende Fehlermeldung:

Website beschäftigt

Falls ihr gerade im Zug setzt und euer Browser keine Grafiken laden möchte: „Die Website ist zu beschäftigt, um die Website anzeigen zu können“ steht da. Merkt ihr was?

„Unser Zug hat leider Verspätung wegen verspäteter Bereitstellung“ habe ich vor ein paar Wochen am Hamburger Hbf für einen Zug gehört, der auch in Hamburg starten sollte. Mir fällt es wie Schuppen von den Augen: Bahn und Telekom; eventuell auch andere große deutsche Unternehmen, buchen die gleichen Ausreden-Entwicklungs-Seminare. Nicht anders ist es zu erklären. Ich fahre keine Mercedes oder VW, aber vielleicht habt ihr schon mal in der Bedienungsanleitung eures in deutscher Wertarbeit hergestellten Kraftfahrzeugs gelesen: „Die Verbrauchswerte dieses Automobils sind höher als in der Werbung angegeben. Grund ist ein höherer Kraftstoffverbrauch“?!

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Posted in: Bahnfahren