Sitzordnung

Posted on April 11, 2013

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Wartende auf dem Bahnsteig haben ganz offensichtlich ein Lemming-Gen. Wie anders kann man e sich erklären, dass, sobald der erwartete zug über Lautsprecher angesagt wird, die Menge unerbittlich in Richtung Bahnsteigkante drängt, um sich eine gute Ausgangsposition für die Erstürmung des Waggons z sichern. Ich erwarte eigentlich täglich, dass da mal eine größere Zahl Reisender auf den Bahnkörper stürzt, aber irgendwie bekommen wir es aufgrund unserer Intelligenz – die der der Lemminge deutlich überlegen ist – rechtzeitig anzuhalten und maximal die Fußspitzen über den Bahnsteig hinausragen zu lassen. Natürlich haben mindestens 80% der Wartenden das Nachsehen, weil sie sich an Stellen nach vorne gedrängelt haben, wo dann beim Stillstand des eingefahrenen Zuges einfach keine Tür ankommt. Pech. Sie versuchen noch, sich in Richtung einer der sich öffnenden Türen zu werfen udn drängen die anderen Wartenden so in den Weg, dass die aussteigebereiten Passagiere nur mühsam dem Zug entsteigen können.  Sie fluchen auf die untren Stehenden, die wiederum äußern ungehaltenes Unverständnis, dass sie nicht endlich mal einsteigen können. Besonders schön ist es, wenn an einer Tür endlich eingestiegen werden kann, an der benachbarten Tür immer noch Passagiere austeigen. Im Bemühen, den vielleicht einzigen nicht resrvierten Platz im Zug zu bekommen, schmeißen sich Menschen ohne Rücksicht auf Verluste dahin, wo sie hoffen, schneller einsteigen zu können. Supermarktkassenwarteschlangen sind ein Dreck dagegen. Das Chaos ist perfekt!

Wie schön ist es doch, wenn man eine Reservierung hat. Man kann im Hintergrund stehen bleiben, bekommt weder intensiven Achselschweißgeruch noch einen Ellenbogen in die Nase und kann ganz gemächlich in den Zug klettern, nachdem die anderen sich erfolgreich hineingequetscht haben. Man wartet noch ein wenig im Vorraum, bis auch die sich kreuzenden Ströme der von hinten nach vorne und von vorne nach hinten strömenden Reisenden samt ihrer ausladenden Gepäckstücke in den Waggons verteilt haben, schreitet dann zu seinem angemieteten Platz, verscheucht einen hoffnungsvollen Sitzplatzbesetzer (einen bis zu diesem Zeitpunkt hoffnungsvollen Sitzplatzbesetzer) und nimmt Platz. Herrlich.

Wobei – auch eine Sitzplatzreservierung muss nicht unbedingt automatisch ins Glück führen. Heute morgen steigt eine achtköpfige Reisegruppe in den Zug. Sie haben reserviert und besetzten zwei nebeneinanderliegende Tische in der Reihe vor mir. Aus unerfindlichen Gründen lautet die Reservierung eines der Gruppenmitglieder auf den einzelnen Sitzplatz, der bei manchen ICE am Anfang des Großraumwagens steht. Eine der reisenden Damen lässt sich also dort nieder. Folglich bleibt an einem der beiden Tische ein Platz frei. „Marianne, komm, setz dich hier zu uns“, ruft eine der Damen am Dreiertisch. „Nee, ich hab doch leider den Platz hier reserviert…“ sagt Marianne geknickt. Und bleibt dort alleine sitzen bis Hamburg.

Danke, Marianne! Du bist meine heutige Geschichte. 🙂

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Posted in: Bahnfahren