Wo sind die lustigen Geschichten hin?

Posted on Mai 2, 2013

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Ihr habt euch sicher schon gefragt: „Ja wo isser denn mit seinen lustigen Geschichten über den täglichen Bahnfahrwahnsinn? Hat er keine Lust mehr? Fährt er nicht mehr Bahn? Fällt ihm nichts mehr ein?“ Die Fragen sind berechtigt, treffen aber nicht den tatsächlichen Grund meines langen Schweigens der letzten Wochen. Was ich einfach feststellen musste ist die Tatsache, dass – kaum dass das Wetter ein bisschen besser wurde – die Bahn sich plötzlich aus einer Art Winterschlaf befreit und festgestellt hat, dass sie im Grunde genommen ja doch noch weiß, wie man Züge ohne große Verspätung und ohne technische Probleme von A nach B bewegt. Die Mitreisenden haben sich gleichzeitig offenbar der Frühjahrsmüdigkeit hingegeben und sitzen mehr oder weniger still auf ihren Plätzen und machen nichts, aber auch gar nichts, über das es sich zu schreiben lohnen würde.
Oder passieren doch noch lauter lustige Begebenheiten und ich bin einfach satt und abgestumpft? Das ist natürlich denkbar und auch gar nicht mal so weit hergeholt. Ich führe natürlich eine Art Reiselogbuch und kann nicht leugnen, dass ich in den letzten 6 Monatenmca. 45.000 km mit der Bahn gefahren bin und dass ich etwa 340 Stunden oder 42 Arbeitstage in Zügen gesessen habe. Habe ich vielleicht doch schon alles erlebt und bin einfach satt?
Hätte mich die Dame, die letzten Samstag in Spandau im ICE beim Blick auf den Zugfahrplan feststellt, dass sie nicht in den IC nach Kiel, sondern in den ICE nach München gestiegen ist und jetzt bis Braunschweig erst mal in die falsche Richtung fährt, vor zwei Monaten noch amüsiert? Gut, dass sie durch den ganzen Zug rennt, um den Schaffner um einen Nothalt am nächsten Bahnhof zu bitten, ist außergewöhnlich, aber ist das auch lustig?
Der Vater, der seine beiden ca. vierjährigen Söhne zusammen mit ihrem Fahhradanhänger vor dem Aufzug abstellt mit den Worten: „Nehmt den Anhänger im Aufzug mit nach oben, ich nehme mit dem Fahhrad die Treppe“, möchte seinen Jungs sicher Eigenverantwortung beibringen und taucht deshalb auch nach mehreren Minuten nicht auf, obwohl die Kids den Anhänger einfach nicht in den Aufzug reinbekommen und nach mehreren vergeblichen Versuchen, zwischen denen der Aufzug immer wieder unverrichteter Dinge leer nach oben fährt, in hysterisches Geheul ausbrechen, so dass sich eine ganze Horde hilfsbereiter Erwachsener einfindet, deren Ratschläge, was jetzt zu tun sei, sich so abenteuerlich wiedersprechen, dass die Jungs schließlich gleichzeitig in unterschiedliche Richtungen losrennen (ohne den Fahrradanhänger) und nur mit Mühe wieder eingefangen werden können. Aber das ist Erziehung und nicht lustig, oder?
Doch. Nett war der Zugbegleiter gestern Abend, der durch alle Waggns lief, um „die Fußballbegeisterten unter den Mitreisenden“ darüber zu informieren, dass der FC Bayern ein Tor geschossen hat. Das 2 und das 3 zu Null wurden dann nicht mehr kommuniziert – vielleicht ist ihm klargeworden, dass die Mitreisenden via Smartphone, Laptop oder ICE-Radio (es war ein ICE 1 mit Radioempfang über den Kopfhöreranschluss am Sitz) ohnehin besser und früher informiert waren als er selbst. Aber er hat zumindest vorübergehend einen für Bahnmitarbeiter außergewöhnlichen Enthusiasmus gezeigt und ich konnte eine Weile lang schmunzeln.
Dennoch. Mein Enthusiasmus beim Erzählen dieser Geschichten ist gebremst. Da war schonmal mehr. Vielleicht Burn-Out? Vielleicht sollte ich eine Weile lang über andere Themen schreiben? Was denkt ihr? Ideen? Themenvorschläge? Hallo?
Halloho?
Ist da draußen jemand???

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Posted in: Bahnfahren